Der Bluff – ohne diesen Spielzug wäre jede Pokerpartie nur halb so spannend. Jeder Pokerprofi beherrscht ihn. Und auch darüber hinaus ist der Begriff »bluffen« überall bekannt. Wir haben für dich die Taktik hinter dem Bluff unter die Lupe genommen.

Das Wichtigste bei einem Bluff ist eine glaubwürdige „Geschichte“ zu erzählen. Also solltest du darüber nachdenken, wie du in diesem Moment eine starke Hand spielen würdest und so deinen Bluff umsetzen. Anfänger neigen dazu nur wenig Chips zu setzen und verfehlen somit die Wirkung, ihre Gegner mit schwachen Händen zum Folden zu bringen. Aber lasst uns zunächst beim Ursprung beginnen.

Was ist ein Bluff?

Kurz gesagt: ein Täuschungsmanöver. Beim Bluff ist nichts, wie es scheint. Deine Poker Hand hat in Wahrheit keinen Wert – aber du spielst, als hättest du ein Monster! Du lässt dich dabei nicht aus der Ruhe bringen. In jeder Runde erhöhst du deinen Einsatz und drängst immer mehr Gegner aus dem Spiel. Solange bis du den Pot gewinnst – mit einer Hand, die ursprünglich zum Folden gedacht war.

Aber Achtung: Beim Showdown musst du deine Karten zeigen und dein Bluff wird offenbart! Das kann taktisch unklug sein. Je nachdem, ob deine Hand gewinnt oder verliert, lieferst du deinen Gegnern damit wertvolle Informationen über dein Spiel. Deswegen solltest du immer nur wohldosiert und überlegt bluffen. Machst du es zu oft und fliegst dabei auf, verlierst du an Glaubwürdigkeit. Und du wirst somit zu einem leichten Ziel.

Die häufigsten Anfängerfehler

  • Du bluffst zu häufig bis zum Showdown: Vielleicht hast du noch nicht die nötige Geduld, um auf profitable Starthände zu warten. Oder du befindest dich bereits im Tilt und hast dich nicht mehr unter Kontrolle. Auch wenn du mit dieser Taktik möglicherweise sogar den ein oder anderen Pot gewinnst: Du outest dich damit als Spieler, der keine Ahnung hat, was er da eigentlich macht.

  • Du bluffst an einem vollen Tisch oder aus der ersten Position heraus: Beides ist nicht ratsam und wird nur in den wenigsten Fällen funktionieren.

  • Du bluffst andere Anfänger: Keine gute Idee. Wer das Spiel noch nicht beherrscht, neigt dazu, öfter mal zu callen – auch wenn es keinen Sinn macht. Sogenannte »Calling Stations« wirst du nur schwer aus der Hand drängen können.

  • Du bluffst mit zu niedrigen Einsätzen: Eine Täuschung gelingt nur, wenn sie überzeugend ist. Das gilt auch beim Poker. Niemand nimmt dir eine starke Hand ab, wenn du sie nicht ausreichend teuer spielst. Mehr zur richtigen Wahl deines Einsatzes liest du weiter unten.

Wenn du dich jetzt ertappt fühlst – keine Sorge. Im Folgenden erläutern wir dir, wie du es zukünftig besser machen kannst. Und deine Mitspieler bei der nächsten Pokerpartie erfolgreich bluffst!

Was du für einen überzeugenden Bluff benötigst!

Deine Gegner zu bluffen, ist ein mächtiger Spielzug. Er kann dir viel Geld in die Kasse spülen – wenn du es richtig machst. Denn nicht immer stehen die Vorzeichen gut. Berücksichtige daher folgende Punkte bei deiner nächsten Pokerpartie:

  • Eine miese Starthand: Gute Hände sind leicht zu spielen. Der Vorteil des Bluffs ist, dass du damit auch auf Starthände setzen kannst, die du unter normalen Umständen gefoldet hättest.

  • Starke Nerven: Du begibst dich auf dünnes Eis. Jetzt gilt es, dich absolut unter Kontrolle zu haben. Verräterische Tells sind jetzt das Zünglein an der Waage.

  • Ausreichend Informationen über deine Gegner: Gleich in der ersten Runde eine Täuschung zu riskieren, ist leichtsinnig.

  • Einen vernünftigen Stack: Achte darauf, noch genügend Bewegungsfreiheit beim Setzen zu haben! Wenn du zum All-in gezwungen wirst, verliert der Bluff seine Wirkung.

  • Einen neutralen Gesichtsausdruck: Beim Live Poker haben dich deine Gegenspieler genau im Blick. Ohne trainiertes Pokerface fliegt dein Bluff rasch auf.

Warum ein gutes Pokerface für den Bluff ausschlaggebend ist?

Beim Bluff geht es darum, deine Gegner an der Nase herumzuführen. Und das so glaubwürdig wie möglich. Wie dir das am besten gelingt? Mit einem soliden Pokerface. Dabei ist dein Gesichtsausdruck völlig neutral. Du zeigst keine Emotionen, auch keine gespielte Langeweile. Achte dabei auch unbedingt auf deine Augen! Denn nicht umsonst sitzen Pokerprofis oft mit Sonnenbrille am Tisch. Blinzelst du häufig oder huscht dein Blick hektisch über den Tisch, kann das deinen Bluff rasch verraten.

Bluff - Pokerface

Beginne daher frühzeitig, dein Pokerface zu üben. Das kannst du auch beim Online Poker tun, auch wenn es hier nebensächlich ist. Entspanne dich, so gut es eben geht, und beobachte dich während des Spiels selbst:

Gehen deine Augenbrauen in die Höhe, sobald du eine gute Poker Hand bekommst? Zucken deine Mundwinkel? Trinkst du einen Schluck Wasser, wenn deine Starthand mies ist? Ja, es kommt tatsächlich auf diese Kleinigkeiten an. Selbstkontrolle hat beim Poker oberste Priorität – nicht nur bei einem Bluff!

Der beste Zeitpunkt für einen Bluff!

Achte auf den Spielverlauf. Beim Bluffen zählt das richtige Timing. Dabei ist die Anzahl deiner Gegner, deine Position am Tisch und dein Setzverhalten ausschlaggebend.

  • Du hast nicht mehr als zwei aktive Gegenspieler. Je weniger, desto besser stehen die Chancen auf einen erfolgreichen Bluff.

  • Du bist als letzter am Zug. Dadurch hattest du bereits Gelegenheit, viele Informationen zu sammeln. Wenn alle anderen vor dir gecheckt haben, ist das eine gute Gelegenheit für einen Bluff.

  • Du hast vor dem Flop bereits geraist – aber nichts getroffen. Spielst du nun weiterhin hohe Einsätze, hast du gute Chancen, den Pot doch noch für dich zu gewinnen. Aber Vorsicht: Sobald dich einer deiner Gegner callt, lass lieber die Finger davon.

  • Der Stack deines Gegners ist geringer als dein eigener. Dadurch wird er nichts riskieren und dich nur dann callen, wenn er tatsächlich gute Karten hat.

Doch selbst, wenn du all diese Faktoren berücksichtigst, kann ein Bluff immer in die Hose gehen. Denn Poker ist ein Spiel, das nicht immer komplett vorhersehbar ist. Sei dir dessen unbedingt bewusst und kalkuliere deine potenziellen Verluste gut. Du hast nichts davon, wenn du einen aussichtslosen Bluff bis zum bitteren Ende durchziehst. Pokerprofis wissen, wann sie aussteigen müssen, denn: Ein vernünftiger Fold ist immer die bessere Alternative zu hohen Verlusten.

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Wie hoch sollte dein Wetteinsatz bei einem Bluff sein?

Dazu brauchst du etwas Fingerspitzengefühl. Viele Anfänger machen diesen Fehler: Sie wagen einen Bluff und setzen viel zu niedrig. Das hat gleich zwei Nachteile. Erstens: Du wirst eher gecallt und dein Bluff ist somit für die Tonne. Zweitens: Du outest dich als der kleine Fisch am Tisch und machst es dir unnötig schwer.

Orientiere dich bei der Wahl des Wetteinsatzes immer an der Höhe des aktuellen Pots. Für einen glaubwürdigen Bluff darfst du mindestens die Hälfte bis dreiviertel davon setzen. Alles darunter macht viel zu wenig Eindruck, um deine Gegner effektiv aus der Hand zu scheuchen. Spielst du unrealistisch hohe Einsätze, kann es passieren, dass jemand die Lunte riecht und callt.

Wie du einen gegnerischen Bluff durchschaust!

Deine eigenen Bluff Skills zu entwickeln, ist die eine Seite. Genauso wichtig ist es aber auch, deine Gegner lesen zu lernen. Lässt du einen anderen Spieler auffliegen und gewinnst damit einen dicken Pot, kann dich das unheimlich aufputschen. Es birgt aber auch die Gefahr, jeden starken gegnerischen Spielzug als Bluff zu missdeuten und ins offene Messer zu laufen.

Bluff - Die Kunst der Täuschung

Eine gute Beobachtungsgabe und die genaue Kenntnis der Poker Regeln hilft dir dabei, gegnerische Bluffs zu entlarven. Merke dir deswegen gut, mit welchen Händen deine Mitspieler gewinnen – oder auch verlieren. Ein unlogisches Setzverhalten kann auf einen Bluff hindeuten – oder darauf, dass dein Gegner gerade auf Tilt ist. Die Boardkarten liefern dir ebenfalls wertvolle Hinweise. Behalte die möglichen Poker Hände immer im Hinterkopf und achte darauf, ob die Spielweise deines Gegners noch sinnvoll ist.

Beim Live Poker solltest du zusätzlich auf das Verhalten und die Körpersprache achten. Wann entgleist das gegnerische Pokerface? Wie ist die Körperhaltung beim Gewinnen und beim Verlieren? Seufzt jemand verräterisch?

Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Nutze jede Pokerpartie (online oder live) um dein eigenes Spiel zu verbessern und deine Beobachtungsgabe zu schulen. Im Laufe der Zeit entwickelst du ein Gespür dafür, wann jemand versuchen könnte, dich zu bluffen.

Was ist ein Semi-Bluff?

Der Semi-Bluff ist ebenfalls eine raffinierte Taktik. Sie erfordert Fingerspitzengefühl und Denkarbeit. Beim Semi-Bluff weißt du, dass du die schwächere Hand hast. Aber: Du bist dir bewusst, dass die nächste (oder auch die letzte) Karte, das Blatt zu deinen Gunsten wenden kann. Kurz gesagt: Du wettest hoch auf eine Karte und hoffst, damit zu treffen.

Gute Gelegenheiten für einen Semi-Bluff bieten dir sogenannte »Scare Flops«. Diese sind einerseits stärker als deine eigene Hand. Andererseits kannst du mit einer hohen Wette auch glaubwürdig vermitteln, dass du hoch getroffen hast, obwohl das nicht der Fall ist. Hast du beispielsweise ein kleines Paar auf der Hand und im Flop liegt ebenfalls ein Paar, hast du Chancen auf ein Full House. Setzt du nun, muss dein Gegner davon ausgehen, dass deine Hand höher ist, als es das Board zeigt. Und steigt im besten Fall sofort aus.

Semi-Bluff

Gute Situationen für einen Semi-Bluff

  • Du hast Overcards.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 258 (alles in anderen Farben) und du hast AKo.

  • Du hast einen Open Ended Straight Draw.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 56A (alles in anderen Farben) und du hast 78o.

  • Du hast einen Open Ended Straight Draw und Overcards.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 2T9 (alles in anderen Farben) und du hast QJo.

  • Du hast einen Flush Draw.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 2KA (K und A sind in Herz) und du hast T9 in Herz.

  • Du hast einen Flush Draw und Overcards.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 258 (5 und 8 sind in Herz) und du hast AK in Herz.

  • Du hast einen Open Ended Straight Draw und einen Flush Draw.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 56A (5 und A sind in Herz) und du hast 78 in Herz.

  • Du hast einen Open Ended Straight Draw und einen Flush Draw und Overcards.
    Zum Beispiel: Der Flop bringt 2T9 (2 und T sind in Herz) und du hast QJ in Herz.

Solange noch Karten ausgegeben werden, ist ein Semi-Bluff möglich. Auf dem River macht dieser Spielzug keinen Sinn. Denn du setzt hier nur auf deine Outs (also jene Karten, die deine Hand noch verbessern können), nicht aber auf deine tatsächlich stärkste Hand. Je früher du also den Semi-Bluff einsetzt, desto profitabler ist er.

Gewusst wie, gilt auch beim Bluff!

Ein solides Pokerface, die passenden Voraussetzungen und das richtige Timing sind die Basis für einen erfolgreichen Bluff. Tarnen und täuschen: Beherzigst du diese Tipps, befindest du dich bereits auf dem richtigen Weg, ein echter Pokerprofi zu werden. Wir wünschen dir gutes Gelingen für dein nächstes Täuschungsmanöver und allzeit gute Karten!